Tinnitus
  über Symptome und Ursachen

Tinnitus aurium

Als Tinnitus aurium werden Ohrgeräusche bezeichnet, die sich durch stark störende, ton- oder geräuschartige Schallempfindungen bemerkbar machen. Der Hörsturz hingegen stellt eine „plötzlich auftretende Innenohrschwerhörigkeit“ dar, die im schlimmsten Fall bis zur Ertaubung führen kann.
Die vom Hörsturz Betroffenen können darüber hinaus sowohl ein Druckgefühl im Ohr als auch einen Tinnitus wahrnehmen.

Zunächst kann häufig, aufgrund der Möglichkeit des Auftretens beider Symptome, nicht mit eindeutiger Sicherheit ein akuter Tinnitus bzw. Hörsturz getrennt diagnostiziert werden. Hierzu ist anfangs eine HNO-ärztliche und anschließend eine weiterführende umfangreiche Diagnostik erforderlich.

Die Klassifikation von Ohrgeräuschen kann von verschiedenen Merkmalen ausgehen. Diese können
z. B. vom Klangcharakter, der Intensität, von Dauer und Verlauf etc. geprägt sein. Wenn mögliche Ursachen zur Einteilung herangezogen werden, lassen sich im Wesentlichen objektive und subjektive Ohrgeräusche unterscheiden.

 

Die drei Phasen des Tinnitus / Hörsturz:

  • Akutes Stadium besteht weniger als 3 Monate – Heilungschancen sehr gut;
  • Subakutes Stadium zwischen 3 Monaten und 1 Jahr – Heilung möglich;
  • Chronisches Stadium besteht länger als 1 Jahr – Heilung schwierig.

Einer Studie des Instituts für Empirische Gesundheitsökonomie in Burscheid folgend, erleiden in Deutschland ca. 10 Millionen Menschen pro Jahr einen akuten Tinnitus / Hörsturz von unterschiedlicher Fallschwere. Bei ca. 7 Millionen Betroffenen stellt sich aufgrund spontaner Selbstheilung bzw. ambulanter Behandlungsmaßnahmen (HNO-Arzt) innerhalb der ersten 2 bis 3 Wochen eine Beschwerdefreiheit ein.

Bei den verbleibenden ca. 3 Millionen bleibt dieser Erfolg jedoch aus. Diesen Patienten droht im schlimmsten Fall die Chronifizierung des Tinnitus bzw. eine verbleibende Schwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung beim Hörsturz. Über die Dauer einer Chronifizierung liegen keine bzw. nur sehr vage und wenig belastbare Daten vor. Es kann aber unterstellt werden, dass in Deutschland ca. 350.000 Patienten mit steigender Tendenz länger als fünf Jahre an den Folgen eines Tinnitus und / oder Hörsturzes leiden und aufgrund des Schweregrades der Symptomatik durchgängig behandlungsbedürftig sind.

 

Unterscheidung objektiver und subjektiver Tinnitus:

  • Der objektive Tinnitus kann neben dem Betroffenen auch von anderen Personen gehört werden;
  • Der subjektive Tinnitus wird hingegen nur vom Erkrankten wahrgenommen.

Bei objektiven Ohrgeräuschen liegen echte physikalische Schallschwingungen zugrunde. Sie können vom externen Untersucher wahrgenommen und entsprechend registriert werden.

Es werden drei große Gruppen unterschieden:

  • vaskuläre Störungen;
  • muskuläre Störungen;
  • Mittelohr-Störungen.

Subjektive Ohrgeräusche können von einem externen Untersucher nicht wahrgenommen werden und auch mit physikalischen Mitteln nicht registriert werden. Die Ursachen für die subjektiven Ohrgeräusche können vielgestaltig sein und somit mehrere medizinische Fachgebiete für die Untersuchung erfordern.

 

Als einer der wahrscheinlichsten Auslöser eines akuten Tinnitus bzw. Hörsturzes wird eine Mangeldurchblutung, und damit eine Unterversorgung mit Sauerstoff im Ohr, diskutiert. Durch diese Durchblutungsstörungen sind insbesondere die kleinsten Blutgefäße des Körpers betroffen, so dass eine unzureichende Versorgung der entsprechenden Regionen mit Sauerstoff erfolgt. Dies kann bis zum Absterben von Gewebe führen. Ist wie beim akuten Tinnitus bzw. Hörsturz das Ohr betroffen, so sind es die Sinneszellen im Ohr, die sog. Haarzellen, die nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

 

Eine weitere Ursache kann aber auch im Bereich der orthopädischen Erkrankungen liegen. Hierbei kann besonders die Halswirbelsäule, beispielsweise in Form von Fehlstellungen der kleinen Kopfgelenke bzw. Blockierungen, betroffen sein. Diese HWS-Fehlstellungen können in der Regel Durchblutungsstörungen mit sich bringen, was wiederum eine mangelhafte Versorgung des Innenohrbereiches mit Sauerstoff zur Folge haben kann.

Selbst Fehlstellungen der Kiefergelenke und damit Dysfunktionen des Kauapparates und der Gesichtsmuskulatur kommen als Auslöser für einen Tinnitus bzw. Hörsturz in Betracht. Um in diesem Fall geeignete Behandlungsschritte einleiten zu können, muss die Ursache sehr genau diagnostiziert werden. Hierbei sind insbesondere zahnmedizinisch orientierte Gesichtspunkte bei der Behandlung zu berücksichtigen.

 

Aber auch neurologische Ursachen bzw. Ursachen aus dem Bereich des HNO-ärztlichen Fachgebietes kommen als Auslöser in betracht und sollten daher untersucht werden, um sie entweder zu diagnostizieren oder zeitnah ausschließen zu können.

Des Weiteren sollte auch der häufig vorhandenen psychischen Komponente des akuten Tinnitus bzw. Hörsturzes in Form von psychotherapeutischer Betreuung und des Erlernens von Entspannungstechniken frühzeitig breiten Raum eingeräumt werden. Auch hierbei kann wiederum die Sauerstoffversorgung negativ beeinflusst werden, da eine psychische Überlastungssituation (auch häufig vereinfacht als Stress bezeichnet) durch einen erhöhten Adrenalinausstoß zu so genannten Gefäßkrämpfen im Innenohr führen kann.

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass unabhängig von der Ursachenkonstellation eines akuten Tinnitus bzw. Hörsturzes dem Betroffenen im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes umfassend und kompetent geholfen werden muss. An dieser Stelle setzen die speziell hierfür entwickelten Behandlungsprogramme des Akut-Tinnitus-Kompetenzzentrums an. Durch eine, basierend auf einem interdisziplinären Behandlungsansatz geprägte, Kombination indikationsspezifischer Diagnostik- und Therapieinhalte ist eine hohe Ergebnisqualität, bis hin zur Beschwerdefreiheit, bei akutem Tinnitus / Hörsturz möglich.



Autor: Dr. med. Volker Rust
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